Innovation: der Cross-Industry-Ansatz

Autor on 26. Januar 2014 in Produktmanagement mit 1 Kommentar

Kaum ein Unternehmen verfügt über die Ressourcen selber alle Entwicklungen zeitnah und effizient zu tätigen. Diese Erkenntnis hat sich im Markt weitestgehend durchgesetzt und viele Unternehmen setzen bereits auf die entwicklungstechnische Zusammenarbeit mit ihren Partnern und Lieferanten. Die Automobilindustrie ist das Paradebeispiel.
Noch einen Schritt weiter gehen die Open Innovation-Konzepte, die auf der Basis einer offenen Unternehmenskultur die konsequente Öffnung der Innovationsprozesse betreiben. Crowdsourcing ist der bekannteste Ansatz. Eine spannende Variante von Open Innovation ist die industrie- bzw. branchenübergreifende Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen.

Innovationen sind häufig eine Rekombination von bereits vorhandenen Wissen und Technologien. Insoweit ist es naheliegend, technische Lösungen aus anderen Industrien zu sichten und bei Eignung in den eigenen Produkten zu adaptieren. Gelungene Beispiele für Lösungen dieser Art sind:

  • der iDrive von BMW basiert auf dem Joystickkonzept der Computerindustrie
  • der Coca Cola Freestyle-Getränkeautomat nutzt Dosiertechnologie der Medizintechnik
  • der Nähfuß des Textilmaschinenhersteller Bernina setzt den optischer Sensor einer Computermaus ein
  • der Milchschäumer Aeroccino Nespresso verwendet das magnetische Antriebsprinzip von Labormischern
  • die Nike Shox Dämpfung stammt technologisch ab von Stoßdämpfern aus der Formel 1-Welt

Vorteile der Cross-Industry-Innovation

Grundsätzlicher Vorteil des industrieübergreifenden Ansatzes ist bei Vermeidung von Wettbewerbskonflikten die Möglichkeit der Nutzung zukunftsträchtiger Technologien. Die weiteren Vorteile sind:

  • Stärkung der gesamten Innovationskraft des Unternehmens
  • größere Differenzierungsmöglichkeit für die Produkte
  • eigene Fokussierung der Entwicklung auf Schlüsseltechnologien
  • Reduzierung von Entwicklungszeit und -kosten
  • Reduzierung der Projekt-/Entwicklungsrisiken

Vorgehen

Es beginnt mit der Grundeinstellung und Offenheit für fremdes Know-how. Meist entstehen industrieübergreifende Lösungen zufallsbedingt. Ein systematisches Vorgehen erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit und optimiert den Ressourceneinsatz.
Naheliegend ist die Beobachtung der Kunden bei der Anwendung. Spannender wird es den Anwender in ähnlichen Branchen zu beobachten. So hat z.B. der Umgang mit Gästen im Hotel viele Parallelen zum Umgang mit Patienten im Krankenhaus.
Das systematische Screening anderer Branchen nach ähnlichen Anforderungen bei Funktionen, Prozessen, Umweltbedingungen, Qualitäten oder Materialeigenschaften schafft additive Informationen und Möglichkeiten. Einige Industrien wie Raumfahrt, Automobilbau, Medizintechnik oder IT-Software verfügen über sehr spezifische Erfahrungen hinsichtlich Materialeigenschaften, der Schnittstelle Mensch und Maschine oder wirtschaftlicher Herstellungsprozesse, so dass die Suche zielorientiert erfolgen kann.
Einzelne Unternehmen senden ihre Mitarbeiter bewusst  zu Fachmessen und -kongressen anderer Branchen. Dieses liefert Kontakte zu Experten und Inspirationen zu neuen Technologien.  Die Einbindung von externen Experten in Workshops oder Projekten ist häufig hilfreich schneller ans Ziel zu kommen. Nicht zuletzt seien Patentrecherchen erwähnt. Auch hier macht der Einsatz von externen Experten zur effizienten Suche Sinn. Die Plattform BluePatent bietet entsprechende Dienstleistungen an.

Es gibt auch gesamtheitliche Vorgehensweisen zur Cross-Industry-Innovation, die nach der Folge Abstraktion, Analogie und Adaption ablaufen.
In der Abstraktion erfolgt die Loslösung von der technischen Produktproblematik. Die Anwendung wird beschrieben aus der Sicht Funktion und Nutzen. Zwei methodische Ansätze für diese Phase sind  die Funktionalmarktanalyse und TRIZ (Theorie des erfinderischen Problemlösens).
In der Analogie-Phase wird systematisch nach passenden Lösungen in anderen Branchen und Industrien gesucht. Externes Wissen ist in dieser Phase besonders wertvoll. Die Suche erfolgt nach dem Trichter-Prinzip und startet mit möglichst vielen Ideen. Die Vorauswahl erfolgt zunächst nach qualitativen Kriterien und die Prüfung von wenigen erfolgsversprechenden Lösungen detailliert. Der notwendige Aufwand für eine Adaption an das eigene Produkt spielt bei der Auswahl eine wichtige Rolle.
Ist die geeignete Lösung gefunden, beginnt die Phase der Adaption. Jetzt wird das eigene Fachwissen entscheident, da die gefundenen Lösungen selten zu 100% passen werden.

Cross-Industry-Innovation ist ein attraktives Konzept, dessen Erfolg von der Unternehmenskultur, einer strukturierten Vorgehensweise und Treibern der Prozesse abhängt. Bei externer Unterstützung bieten sich sogenannte Knowledge Broker an.

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