Organisieren Sie sich doch selbst! An alle Produktmanager: „Bezieht Position!“

Autor on 30. Juli 2014 in Blogs, Produktmanagement mit 1 Kommentar

Die organisatorische Vielfalt, die ich in der Praxis oft erlebe, lässt keine Wünsche offen. Dort werden eigene Stabs- oder Zentralabteilungen für das Produktmanagement geschaffen – für die einen sehr nah am Vorstand und damit wichtig, von anderen als Abstellgleis verschrien, weil fern von Fachbereich und Kunde. Andererseits hängt man Produktmanagement gerne unter das Marketing, den Vertrieb oder schafft zusätzliche Rollen durch dezentrale Produktverantwortung in den jeweiligen Fachbereichen. Alles schön und gut. Pauschal gibt es hierzu kein richtig oder falsch.

Damit das Produktmanagement organisatorisch richtig und erfolgreich verankert werden kann, muss sich jeder zunächst an seine eigene Nase fassen. Können Sie ad hoc sagen, wie Sie in Ihrem Unternehmen positioniert sind? Welchen Nutzen stiften Sie? Wie ist Ihre Abteilung organisatorisch aufgestellt, welche Leistungen bieten Sie Ihren internen und externen Kunden über welche Kanäle an? Kennen Sie Ihre eigenen Kernkompetenzen? Kennen Sie Ihre eigenen Prozesse? Und welche Erwartungen werden überhaupt an Sie und Ihre Kollegen/innen gerichtet? Solche Fragen werden erfahrungsgemäß viel zu selten gestellt.

Denken Sie daher auch mal an sich – nehmen Sie sich die Zeit, ob im Workshop oder in anderer Form, um die Positionierung Ihres eigenen Bereichs transparent zu machen. Organisieren Sie sich selbst. Wenn Ihnen dies gelingt, dann sind Sie auch in der Lage, Ihr Produktmanagement als Ganzes richtig zu organisieren und zielorientiert auszurichten.

Organisieren Sie sich doch selbst – mit der Positionierungs-Canvas

Als pragmatisches Hilfsmittel hat sich in diesem Zusammenhang die Positionierungs-Canvas bewährt. Auf dieser Leinwand können Sie die Gestaltungsbereiche und die jeweiligen Felder der Positionierung vollständig und übersichtlich darstellen. Mein Tipp: Drucken Sie sich die Canvas doch einfach aus und hängen Sie dieses an eine Pin-Wand oder ins Büro. Füllen Sie die Leinwand alleine oder gemeinsam im Team aus. Sie werden feststellen, in welchen Feldern Sie bereits sehr gut aufgestellt sind und welche Bereiche noch weiße Flecken enthalten, die noch gefüllt werden müssen. Im Team oder im Kollegenkreis entstehen auf dieser Grundlage schnell Diskussionen über die „richtige“ Wahrnehmung der Nutzenstiftung, der Aufgaben oder die unterschiedlichen Rollen, Interaktionen und die damit verbundenen Erwartungen an Sie als Produktmanager und an andere Kollegen. Doppelarbeiten können identifiziert, Überschneidungen von Rollen und fehlinterpretierte Erwartungen transparent gemacht werden. Die Positionierungs-Canvas dient daher auch als Maßstab für den Reifegrad Ihrer Positionierung und organisatorischen Verankerung im Unternehmen.

 

Blanko-Canvas

Funktionen und Stellen richtig entwickeln

An dieser Stelle möchte noch einmal den Mehrwert der Positionierungs-Canvas hervorheben. Sie soll meinen Kollegen und mir als wichtige Argumentations– und Diskussionsgrundlage für die richtige und transparente aufbauorganisatorische Ausrichtung und Verankerung im Unternehmen dienen. Gleichzeitig ermöglicht sie die Bestimmung des momentanen Reifegrads der organisatorischen Positionierung und zeigt das Entwicklungspotenzial einer Funktion bzw. Stelle auf.

Deutlich wird der Entwicklungsbedarf an den ‚weißen Flecken‘ in der Positionierungs-Canvas. Das Aufgabenportfolio einer Stelle lässt sich z.B. verglichen mit den anderen Gestaltungsfeldern relativ einfach füllen. Korrespondierende Methoden und Techniken oder die entsprechende Unterstützung durch geeignete Medien sind jedoch oft unterrepräsentiert. Produktentwicklung (Aufgabe) fällt z.B. leichter, wenn geeignete Projektmanagement-Methoden (Methoden & Techniken) zum Einsatz kommen. Wenn dann z.B. noch ein Ticket-System (Systeme & Anwendungen) bereit steht, das die laufende Produktpflege (Aufgabe) sicherstellt, dann kann ein Produktmanager seine Rollen als Entwicklungspartner, Problemlöser und Schnittstellenmanager professioneller wahrnehmen (siehe untere Bsp.-Abb.). Je nach Schwerpunktsetzung einer Funktion müssen nicht zwangsläufig alle Felder die gleiche Bedeutung aufweisen. So kann es durchaus sein, dass z.B. Sachbearbeiter zur Ausübung ihrer Aufgaben gar keine Methoden oder Techniken benötigen und die interne Vermarktung aufgrund des operativen und ausführenden Stellentyps vernachlässigt werden kann.

 

Positionierungsmaßnahmen ableiten – Das Reifegrad-Portfolio

Die gewonnene Transparenz über den Positionierungsstatus ermöglicht einen Abgleich mit dem gewünschten Soll-Zustand einer Funktion. Mit Hilfe der Nutzwertanalyse können der individuelle Reifegrad einer Funktion ermittelt und Positionierungsmaßnahmen abgeleitet werden. Den spezifischen Anforderungen an die verschiedenen Funktionen eines Unternehmens kann mit der unterschiedlichen Gewichtung im Rahmen der Nutzwertanalyse Rechnung getragen werden.

Die Ergebnisse der Nutzwertanalyse lassen sich zur besseren Übersicht in ein Portfolio überführen, das den Reifegrad einer Funktion den Reifegraden anderer Funktionen gegenüberstellt. Zu beachten ist, dass das Reifegrad-Portfolio nur Vergleiche von Funktionen zulässt, die bei der Gewichtung der Gestaltungsinhalte dieselbe Verteilung aufweisen, ansonsten kommt es zu Verzerrungen der Vergleichsmaßstäbe. So ist es z.B. möglich, die Reifegrade nur interner Querschnittsfunktionen miteinander zu vergleichen, wie z.B. Organisation, Projekt-, Produkt- oder Prozessmanagement, da diese bei der Bedeutung/Gewichtung der Gestaltungsfelder gleiche Verteilungen aufweisen. Mögliche Optimierungsbedarfe für einzelne Funktionen können auf diese Weise in Bezug auf die Professionalisierung der Gestaltungsfelder identifiziert und priorisiert werden (siehe untere Abb.).

Ich freue mich wie immer über jede Anmerkung zu diesem Tool. Hinterlassen Sie einfach einen Kommentar direkt auf dieser Seite. Schreiben Sie über Ihre eigenen Erfahrungen im Umgang mit Fragen der Positionierung und organisatorischen Verankerung. Helfen Sie mit, die Idee weiterzuentwickeln. Ich freue mich auf Ihre Beiträge!

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