USP: Platz ist in der kleinsten Nische – der etwas andere „Friseursalon“

Autor on 23. September 2015 in Blogs mit 0 Kommentare

Würden Sie einem schlipstragenden, tätowierten Bastard mit einer Rasierklinge in der Hand Ihren Kopf anvertrauen? Ich auf jeden Fall.

Robert Rietveld und sein Partner Leen gründeten vor rund 4 Jahren einen „Friseursalon“ in Rotterdam. Allein das ist noch keine Schlagzeile wert. Ich zähle vorneweg fünf in meiner 6.000 Seelen Gemeinde (die Ortsteile nicht mitgezählt). Doch der ‚Schorem Barbershop‘ hat es in nur wenigen Jahren zu einem Barbiersalon mit internationalem Ruf gebracht, obwohl oder gerade weil es ein Laden nur für Männer ist. Ein Beispiel für gelungene Zielgruppensegmentierung und die perfekte USP.

Welcher Mann lässt schon gerne an sich rumschnippeln?

Was für die meisten Männer eher als notwendiges Übel empfunden wird, inszeniert der Schorem Barbershop zu einem Lebensgefühl längst vergangener Zeiten. Der Gang zum Friseur ist dort mehr als nur Haare kürzen und Bart stutzen. Die Kunden werden in die Zeit der fünfziger Jahre versetzt, an einen Ort, der zum geselligen Bierchen unter Männern einlädt, an dem man dem Alltagsstress entfliehen kann, und an einen Ort, wo Haareschneiden als echtes Handwerk zelebriert wird. Statt rosa- oder fliederfarbene Kittel, Dauerwelle, Elektrorasierer und Lesezirkel, Playboy, Schere, Bier und ein Understatement, das auf eine klar umrissene Zielgruppe trifft. Schon die Website des Ladens ist außergewöhnlich und einen Besuch wert.

„Männer und Hunde erlaubt, Frauen nicht“

Unmissverständlich machen die Hausherren klar, wer in dem Laden willkommen ist. Zur Kundschaft zählen laut Inhaber RietveldHauptsächlich“ Rockabillys, Gentlemen, Punks, Künstler, Rocker, Biker, also nicht gerade die Zielgruppe eines typischen Friseursalons um die Ecke. Aber Kunden, die teilweise vier bis fünf Stunden anreisen und weitere fünf Stunden Anstehen in Kauf nehmen – für einen Haarschnitt wohlgemerkt (lesen Sie das Interview mit Robert Rietveld auf ).

Nicht NUR für einen Haarschnitt, denn dieser Laden ist ein gelungenes Beispiel für einen regionalen Differenzierer in der Nische, solche Unternehmen also, die es auf perfekte Weise schaffen, Übereinstimmung zwischen dem eigenen Wertangebot und den Kundenbedürfnissen einer bestimmten Zielgruppe zu erzeugen.

Die USP (Unique Selling Proposition) ist das herausragende Leistungsmerkmal, mit dem sich ein Angebot deutlich vom Wettbewerb abhebt – ein Alleinstellungsmerkmal bzw. ein einzigartiges Nutzenversprechen, das dauerhaft Wettbewerbsvorteile erzeugt.

Das Wertangebot geht über das reine Produktangebot hinaus und konkretisiert die sog. Gewinnerzeuger und Problemlöser, die eine Zielgruppe durch die Nutzung bzw. Inanspruchnahme der Produkte und damit verbundenen Leistungen erwarten kann. Ein solches Wertangebot entfaltet jedoch nur dann sein volles Potenzial, wenn es die expliziten und impliziten Erwartungen einer klar umrissenen Zielgruppe erfüllt (siehe hierzu auch meine blog-Beitrag: Tool-Box: Persona).

Das Buch zum Thema: Value Proposition Design

 

 

 

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