Crowdinvesting: Finanzierung für kleinere Unternehmen

Autor on 17. November 2013 in Enterprise 2.0 / Web 2.0 mit 0 Kommentare

Crowdfunding (equity-based) als Beteiligung an einen Unternehmen wird auch Crowdinvesting genannt. Praktiziert wird dies in Deutschland erst seit rund 2 Jahren. Auch der amerikanische Markt ist aufgrund von restriktiven Rahmenbedingungen nicht soviel weiter. Die Grundidee des Crowdinvesting basiert auf der Beteiligung von vielen Anlegern (Crowd) an einem Unternehmen mit Hilfe einer regulierenden Internet-Handelsplattform. Die Finanzierung ist insbesondere für Startups mit wenig Kapital oder fehlenden Sicherheiten attraktiv, da Banken in der Regel kein Interesse an einer stark risikobehafteten Finanzierung haben. Die Grundlogik ist ähnlich zum Ansatz des Venture Capitals. Allerdings wird mit Venture Capital eher die Expansionsphase von Unternehmen finanziert.
Motivatoren für die Kapitalgeber sind sowohl die Aussicht auf einen hohen Gewinn, als auch die Chance bei einer Innovation aktiv mitmachen zu können. Social Networking spielt eine wichtige Rolle zur Herstellung der Verbindung zu den potentiellen Investoren, die dann häufig auch zu Ratgebern, Promotoren und Kunden für das Unternehmen werden. Die Investoren werden im Erfolgsfalle nach mehreren Jahren direkt am Unternehmenserfolg in Form von Ergebnis und /oder Wertsteigerung beteiligt.

Ablauf Crowdinvesting

Der Crowdinvesting-Ablauf beginnt mit der Bewerbung der kapitalsuchenden Unternehmen, seien es Startups oder bereits etablierte Unternehmen bei einer Crowdinvesting-Plattform. Notwendige Informationen und Präsentationen sind typischerweise Geschäftsmodell, Produktdarstellung, SWOT, Business Case und die Selbstpräsentation der Geschäftsführung. Bei Zustimmung werden die plattformspezifischen Bedingungen hinsichtlich der Beteiligungsart und -bedingungen festgelegt und anschließend wird das Projekt mit Fundingziel und -zeitraum auf der Plattform freigeschaltet. Manchmal wird auch eine Fundingschwelle und ein Fundinglimit festgelegt. Der Zeitraum für das Funding liegt bei 2 Monaten plus/minus. Bei Erreichen der Fundingziele werden die Mittel dem Kapitalsuchendem ausgezahlt. Die Laufzeit der Investition beträgt meist zwischen 5 und 8 Jahren. Beendet wird das Projekt im positiven Fall mit dem Exit durch Auszahlung oder im negativen Fall durch das Scheitern des Unternehmens.

Beispiele von Unternehmensfinanzierungen

  • swabr GmbH, ein webbasierter Enterprise-Microblogging-Dienst (€55.000,- über Companisto)
  • AOTERRA GmbH, Heizen mit Servern als Geschäftsidee (€1 Million über Seedmatch)
  • Particular GmbH, ein Unternehmen, das Kolloide (in Lösung verteilte Nanopartikel) mit einem rein physikalischen Laserverfahren produziert (€100.000,- über Innovestment)
  • Urbanara AG, Online-Shop für Wohn-Accessoires will für die Expansion Kapital beschaffen (Ziel rd. €3 Millionen über Bergfürst)
  • Formlabs USA, Hersteller eines wirtschaftlichen 3D-Druckers ($2 Millionen über Kickstarter)

Crowdfunding-Plattformen

Die Auswahl der geeigneten Plattform wird maßgeblich bestimmt durch die angebotenen Beteiligungsformen und die Transparenz der Plattform-Leistung.

  • Welcome Investment ist eine Crowdinvesting-Plattformen, die offen für eine flexible Gestaltung der Beteiligungsform ist.
  • Seedmatch ist ein Dresdner Unternehmen, bereits seit 2011 im Markt, mit einer Erfahrung von rund 50 Projekten. Seedmatch ist der deutsche Marktführer.
  • Companisto ist vergleichbar mit Seedmatch mit der Besonderheit eines Anteilspreises ab €5,-.
  • Innovestment ist eine Plattform mit Fokus auf Innovationen und der Besonderheit der Nutzung von Auktionen.
  • Bergfürst startet 2013. Zielgruppen sind bereits etablierte Unternehmen mit der Rechtsform AG und einem Investitionsbedarf größer als €2 Millionen. Die Clou ist die Handelbarkeit der Aktien auf der Bergfürst-Plattform.
  • Kickstarter, erfolgreiche amerikanische Plattform, die seit 2009 im Markt ist.

Wesentliche Unterschiede zwischen den Plattformen ergeben sich durch die Beteiligungsformen.

Beteiligungsformen und -kosten

Die gängigen Beteiligungsformen sind die stille Beteiligung oder zunehmend das partiarische Nachrangdarlehen erweitert um Regelungen zu Gewinn und Wertsteigerung. Alternativ werden wie bei Bergfürst Aktien ausgegeben und gehandelt. Dieses ermöglicht den Exit für den Investor auch vor Ablauf der Projektlaufzeit. Das Vertragswerk zwischen Kapitalsuchenden und -gebenden wird mit Ausnahme von Welcome Investment von den Plattformanbietern geregelt. Ein Studium der Vertragsbedingungen ist somit unerlässlich, da maßgebliche Unterschiede bestehen. Besonderheit bei Companisto ist die nur indirekte Beteiligung am Unternehmen. Die tatsächliche Beteiligung erfolgt durch Companisto. Bei Innovestment erfolgt eine Auktion für die Beteiligungen, so dass der Preis der Anteile abhängig vom Interesse der Investoren ist.
Die Planlaufzeit der Beteiligung liegt je nach Plattform zwischen 5 und 8 Jahren. Kapitalnehmer und -geber sollten die Informationspflichten und Mitspracherechte klar sein. Zu prüfen gilt eine eventuelle Nachschusspflicht, die aus Kapitalgebersicht auf jeden Fall vermieden werden sollte.
Genauer analysiert werden sollten die Exit-Lösung sowohl aus Sicht von Kapitalgeber als auch des Kapitalnehmers. Es geht um die Erfolgskomponenten und die Modalitäten zum Ausstieg. Nicht zuletzt sei noch auf die unterschiedlichen Plattformgebühren hingewiesen. Der Korridor liegt zwischen 5% und 10% der Investitionssumme.

Schallmauer €100.000,-

Bei einem Kapitalbedarf von mehr als €100.000,- ist aus mehreren Gründen eine Schallmauer für kapitalsuchende Unternehmen. Da ist einerseits die greifende Prospektpflicht. Will ein Unternehmen mehr als diesen Betrag einsammeln und sucht nach mehr als 20 Investoren, dann ist es verpflichtet, einen Verkaufsprospekt zu erstellen, der von der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) genehmigt wird. Dieser Prozess ist mit einem hohen Aufwand verbunden sowie vermutlich relevanter Kosten für externe Experten und zieht sich über einen längeren Zeitraum. Auch die Crowdinvesting-Plattform benötigt die BaFin-Zulassung, die die Plattformen nur teilweise besitzen.
Für den Anleger bedeuten die Prospekte additive Informationen und in jedem Fall einen erhöhten rechtlichen Anlegerschutz. Unter €100.000,- besteht so gut wie kein Schutz für den Investor.

Bewertung

Wie beim reward-based Crowdfunding stehen und fallen die Erfolgschancen für den Kapitalsuchenden mit der Story zur Beteiligung. Innovative Produktideen, ein nachvollziehbares Geschäftsmodell mit authentischen Emittenten und einer professionellen Social Network-Kampagne sind Voraussetzung. Nachteilig für das kapitalsuchende Unternehmen ist die Offenlegung des Geschäftsmodelles und der Produktidee. Jeder Mitbewerber kann die Investitionsunterlagen einsehen. Vorteil sind die vielen Investoren als Promotoren. Bei schlechtem Management der Beziehungen kann daraus auch ein Nachteil entstehen.
Die Chance in innovative Unternehmen zu investieren ist für potentielle Investoren nicht oft gegeben. Allerdings ist das Risiko generell extrem hoch und demgemäß muss das Scheitern des Unternehmen einkalkuliert werden. Insoweit ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Beteiligungsangebot unabdingbar. Trotzdem bleibt eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 50% für den Investmentverlust. Demgegenüber stehen gute Renditechancen bei Erfolg des Unternehmens. Aufgrund der kurzen Geschichte von Crowdinvesting sind natürlich Success Stories nur für die Investitionsseite verfügbar. Die Bewertung der unternehmerischen Erfolge auf Basis des investierten Kapitales kann wohl erst in einigen Jahren erfolgen.

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