Professionelles Produktmanagement im Maschinen- u. Anlagenbau 2015

Autor on 10. Februar 2015 in Blogs, Enterprise 2.0 / Web 2.0 mit 1 Kommentar

Aufgaben des Produktmanagers, Aufbau des Produktmanagements, Produktmanager als Prozessverantwortliche, Industrie 4.0, Kundenbedürfnisse und Kundenorientierung, Business Modelling, Produkt-Roadmap, Produktdatenbank, Market Requirements Document (MRD), Produktentwicklung, Frugale Innovation

Das ist nur eine kleine Auswahl an Themen, mit denen sich die mittlerweile 9. Jahrestagung Produktmanagement im Maschinen- und Anlagenbau am 5./6. Feb. in Köln beschäftigte.

Die angekündigte Referentenliste versprach bereits im Vorfeld der Veranstaltung spannende Vorträge und Diskussionen. Alfred Kärcher GmbH & Co KG, Bosch Rexroth AG, Bühler AG, Bystronic Lenhardt GmbH, Giesecke & Devrient GmbH, Hugo Vogelsang Maschinenbau GmbH, Kardex Remstar Division, MAG IAS GmbH, Rolls-Royce Power Systems AG, Roth & Rau B.V., TRUMPF Laser- und Systemtechnik GmbH, Voith Paper GmbH & Co. KG, Wacker Neuson Linz GmbH, Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen & WILO SE.

„Ich bin Wissenschaftler, was weiß ich schon?“ 😉 So ähnlich startete Björn Falk, Abteilungsleiter Produktmanagement im Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen, und hatte sogleich die Aufmerksamkeit des Publikums. Interessant waren die Studienergebnisse, die er präsentierte (http://pm-studie.wzl.rwth-aachen.de/de/default.html). Produktmanager müssen viele kleine Welten kennen und diese vernetzen. Das Schreckgespenst „Komplexitätsfalle“ machte die Runde. Positiv übersetzt bedeutet das „think global – act local“ oder…

„Integration is King“, was so viel heißt wie: kundenzentrierte Projekte, schlanke Prozesse, agile Organisation = super Produkte und zufriedene Kunden!

Dieses Statement zog sich wie ein roter Faden durch die beiden Tage. Den größten Handlungsbedarf sieht Herr Falk laut seiner Studie in der transparenten und iterativen Projektkalkulation und der richtigen Dimensionierung der Lasten- und Pflichtenhefte, denn diese seien viel zu oft überladen mit unnötigen Spezifikationen. Prozessstandardisierung sei dabei ein Wert an sich, der den Wertschöpfungsprozess erst möglich mache.

Immer noch als Ausblick behandelt wird jedoch Industrie 4.0, was eher zur Mystifizierung des Begriffs beiträgt, als zur konstruktiven Klärung. Ein für mich neuer Begriff bleibt dann doch noch hängen: der Spezifikationstrichter! Industrie 4.0 halte diesen zukünftig bis zum Schluss für Optionen und Varianten offen. Diese erzwungene Vielfalt müssen Ingenieure und Produktmanager erst mal verkraften.

„Winning with the RIGHT Products“

Dieses Mission Statement schreibt sich Rolls-Royce Power Systems auf die Fahnen. Für Dr. Petar Pelemis, Director Product Management, und Stephan Frik, Manager Product Management, ist ein funktionierendes und kontinuierliches Produktportfolio-Management das A&O! Man warte nicht auf Kundenwünsche (Steve Jobs lässt grüßen!). Vielmehr plane man auf Grund der Lebenszyklen 7-10 Jahre im Voraus. Dabei gehe es nicht nur um Produktinnovationen. Entwickelt werden ganze Produktplattformen, die eine Integration verschiedener Komponenten ermögliche.

Das Geschäftsmodell des jeweiligen Endkunden spiele für Entwicklungsimpulse eine maßgebliche Rolle. Als Zulieferer für OEMs sei die Endkundenperspektive unerlässlich. Die beiden Referenten erläutern dies eindrucksvoll am Beispiel der Entwicklung von Minenfahrzeugen im Bergbau. Für den Endkunden entscheiden die Kosten pro transportierter Tonne Mineral. Diese werden von vielen Parametern beeinflusst. Schnellere Fahrzeuge/Motoren haben z.B. Einfluss auf Arbeits-, Instandhaltungs-, Fuhrpark-, Kraftstoff- und Emissionskosten. Es gelte daher, die kaufentscheidenden Kriterien des Endkunden in die Entwicklungsplanung einzubeziehen, damit die Argumentationskette von Anfang an unmissverständlich auf die relevanten Produkt-/Kundenanforderungen einzahle. Auf diese Weise sei Rolls-Royce Power Systems weltweit in der Lage, jedes Jahr die äquivalente Leistung von 6-7 Atomkraftwerken auf den Markt zu bringen.

„Das Internet der Dinge“ oder „Klebe einen QR-Code drauf”

Mit einem QR-Code alleine ist es sicherlich nicht getan. Markus Rukaber, Vice President Product Management Hydraulics, bei Bosch Rexroth bringt es in seiner Keynote Address „Produktmanagement in der Zeit von Industrie 4.0“ auf den Punkt. Auch in der Welt von Industrie 4.0 spiele der Kunde weiterhin die Hauptrolle. Mehr noch: User Experience (UX) und Customer-Journey-Analyse (CJA) gehörten gerade im Zuge dieser Entwicklungen zu den Hauptaufgaben des Produktmanagers. Dabei streut Herr Rukaber immer wieder Beispiele, die (endlich) zur Entmystifizierung von Industrie 4.0 beitragen. Das beginne bei QR-Codes und RFID-Chips, die sowohl in der eigenen Produktion als auch bei Endprodukten und Services zum Einsatz kommen und die M2M2M-Kommunikation (Mensch zu Maschine zu Maschine) erleichtern. Ein Ende ist (zum Glück) nicht in Sicht. In Zukunft laufe alles auf einen integrativen Ansatz hinaus, der horizontal und vertikal Wertschöpfungsketten weltweit integriert und kontinuierlich optimiert. Die methodischen Kernaufgaben des Produktmanagements (UX & CJA) und die Möglichkeiten datenbasierter Kommunikation (seamless Connectivity & Big Data) seien dauerhaft untrennbar mit einander verbunden, so Rukaber.

Think global – act local! Kurze Produktlebenszyklen, beschleunigter Technologiewandel, steigende Komplexität, hoher Wettbewerbsdruck. Zum Glück gibt‘s Produktmanager! Folgen Sie der gesamten Story!

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1 Kommentar

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  1. Interessant mal etwas über die Herausforderungen eines Produktmanagers im Maschinen- und Anlagenbau zu lesen. Ich als Auszubildender im Produktdesign für Maschinen- und Anlagenkonstruktion kann mich da zum Teil auch hineinversetzen bzw. habe schon einiges darüber in der Berufsschule lernen dürfen. Toller Artikel, Danke!
    Viele Grüße

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