Startup Lessons – User Experience (UX), User Interface (UI), Minimum Viable Product (MVP)

Es muss schon Einiges zusammen passen, damit ich Blog Posts über Produktmanagement komplett lese und mir zudem die wesentlichen Inhalte einprägen kann. Ein Blog-Beitrag, der das zuletzt geschafft hat, stammt von Lisa Regan. Sie ist Autorin und Bloggerin (Users Know) und schreibt über UX und Lean Startup. Zwei Themen, die momentan an keinem Produktmanager spurlos vorübergehen (sollten). Lisas Gastinterview steht zudem auf dem Lean Startup Blog von Eric Ries, der Kopf hinter der populären Lean Startup Methodology und seines Zeichens Autor des bekannten Blogs Startup Lessons Learned. Grund genug also, um zumindest die Überschrift des Interviews zu lesen.

How to Get Your Coworkers to Care About User Research, so lautet der Titel des Interviews. Die Überschrift spiegelt jedoch nur bedingt den Inhalt, vielmehr schreibt Lisa über die richtige Kommunikation im Produktmanagement-Team, über die richtige Wahrnehmung und Einbindung von Usern und Zielgruppen und wie man die Stolpersteine des MVP-Ansatzes meistern kann.

An dieser Stelle empfehle ich natürlich die uneingeschränkte Lektüre der Originalquelle. Wem das Scrollen jedoch zu nervig ist, der findet hier die wesentlichen von mir interpretierten Leitsätze, die mich überzeugten, an dem Thema dran zu bleiben.

 

„How do I convince people at my company what I do is important?”

Nr. 1 (mein absoluter Favorit 😉 )
Frage: „Wie erkläre ich meinen Kollegen, dass das was ich tue wichtig ist? Wie mache ich meinen Kollegen klar, dass User Experience Research (UXR) unverzichtbar ist?“
Antwort: „Kündige den Job und suche Dir einen Arbeitgeber der es versteht, denn nur die werden am Ende erfolgreich sein.“

Da dies aber häufig keine echte Option ist, hilft es zunächst, sich in die Bedürfnislage der Kollegen zu versetzen und zu prüfen, wie sie als Nutzer von UXR profitieren können. Und das funktioniert am besten, wenn die Kollegen die Kundensituation selbst durchleben bzw. durchleiden. Sie sollen selbst Erfahrung sammeln, indem sie Produkte selbst ausprobieren, Kunden dabei beobachten oder sich einfach nur Videos realer Kundensituationen anschauen.

Es gibt immer eine Alternative zu UXR, z.B. es nicht zu tun. „We don’t have time for this.“ Das ist jedoch teuer, denn es ist wesentlich aufwändiger, den fehlenden Produkt-Kunden-Fit zu korrigieren, wenn sich das Produkt bereits in der Marktphase befindet.

 

„We already know about the product problem.”

Nr. 2
Immer dann wenn man zu hören kriegt: „Das Problem ist uns bereits bekannt, das wissen wir bereits, da sind wir dran.“, dann ist es höchste Zeit, den Finger in die Wunde zu legen. Hier helfen vor allem ZDF (Zahlen, Daten, Fakten). Machen Sie z.B. anhand einer Customer Journey deutlich, an welchem Punkt der Kunde aus dem Kaufprozess aussteigt und warum. Was hat er vermisst, wie häufig kommt das vor und was heißt das in Umsatzzahlen? Quantifizieren Sie das Problem.

 

“Just join the team!”

Nr. 3
Seien Sie Dienstleister für Ihr Team und fragen Sie Ihre Entwickler, Programmierer und Ingenieure, wie Sie sie unterstützen können, um erfolgreich zu sein. Was brauchen sie von Ihnen, welche Ergebnistypen (Deliverables) sind sinnvoll. Das können User Stories oder erste Zeichnungen sein, ebenso wie Kundenfeedbacks, oder die methodische Begleitung bei einer agilen Produktentwicklung. Manchmal auch einfach das gemeinsame Bugfixing oder das Durchgehen eines Use Cases. Liefern Sie jedoch nicht fertige Modelle oder endgültige Lösungen, das schreckt ab und untergräbt die Kompetenz des Entwicklerteams. Halten Sie Ihnen lieber den Spiegel des Kunden vor und überzeugen Sie mit der Stimme des Kunden (Voice of Customer).

 

“UX is not UI. User experience (UX) is the umbrella. User Interface (UI) is a subset; it’s about the layout and the visual design!”

Nr. 4
Viel zu häufig wird UX mit UI gleichgesetzt. Das ist falsch. Ein Produkt zu fokussieren, eine Bildschirmoberfläche oder ein Design zu verändern ist einfacher und greifbarer als die Analyse des Nutzungsverhaltens (UX). Kunden sagen nicht: „Hey, ich möchte eine Bohrmaschine benutzen!“ oder fragen: „Wofür eine Bohrmaschine wohl nützlich ist?“. Sie wollen ein Problem lösen: Schnell und präzise ein Loch bohren, um ein Bild oder eine Lampe aufzuhängen, oder um einen IKEA-Schrank aufzubauen. Wenn Sie das Problem lösen und den Kunden nicht bevormunden, dann sind Sie kundenzentriert.

 

“How do I know if my MVP is big enough?”

Nr. 5
Woran Sie erkennen, dass Ihr Minimum Viable Product (MVP) fertig ist? Indem Sie damit genau ein wesentliches Problem für eine Person oder eine begrenzte Personengruppe lösen. Weniger ist Mehr! Mehr erhöht nur unnötig die Komplexität. Wenn Kunden ein Buch suchen, dann sollen sie es finden. Wenn sie ein Buch kaufen wollen, dann sollten sie es schnell und einfach bestellen können. Das reicht, mehr braucht es für den Anfang nicht. Problem gelöst. Die Prime-Mitgliedschaft, die 1-Click-Buy-Funktion oder die kostenlose Stornierung nach Bestellung hat Amazon auch nicht auf Anhieb implementiert. Am Anfang ging es um Bücher, deren Bestellung und Lieferung, nichts weiter!

Nr. 6
MVPs sind nicht für die große weite Welt bestimmt. MVPs sind nur für die Person oder Personengruppe bestimmt, die genau dieses eine Problem lösen möchte. Schrauben Sie daher Ihre Ansprüche runter. Visionen wie: „Wir reduzieren Ihren privaten Energieverbrauch um die Hälfte.“, oder „Mit uns sparen Sie Zeit für Ihre Familie.“, sind definitiv zu grob und eignen sich nicht für ein MVP. Private Haushalte oder Familien stellen keine geeigneten Zielgruppen dar. Es gibt einfach zu viele davon!

 

“You can’t add shit into a mobile interface.”

Nr. 7
Es geht nicht darum, den Kunden und Nutzern alles zu ermöglichen. Hier können wir von der Smartphone- und Landing-Page Generation lernen. Kleiner Bildschirm, wenig Informationen. Nur das Nötigste, um Probleme zu lösen bzw. Aktionen erfolgreich abschließen zu können. Fragen Sie also potentielle Kunden, welche Probleme sie lösen müssen, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind. Aber bitte, bevor Sie das Produkt entwickelt haben. Kommunizieren Sie mit möglichen Anwendern und leiten Sie Muster ab. Oft reichen bereits 5 Interviews mit unterschiedlichen Personen einer möglichst homogenen Zielgruppe, um bestimmte Verhaltensmuster zu erkennen. Leiten Sie Bedarfe ab. Wie haben die Personen diese Probleme bislang gelöst und welchen Vorteil bietet Ihre Idee oder Lösung im Vergleich?

Das komplette Interview finden Sie hier! Viel Vergnügen bei der Lektüre. Kommentieren Sie, stellen Sie Ihre Sicht der Dinge (MVPs) dar. Beteiligen Sie sich und bereichern Sie das Produktmanagement-Netzwerk.

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