Produkt-Roadmaps: Zielgruppen, Inhalte und Tools

Autor on 1. Juni 2014 in Produktmanagement mit 1 Kommentar

Roadmaps existieren in unterschiedlichen Anwendungen, so als unternehmensinterner Meilensteinplan für die Entwicklung von Produkten, als Entwicklungspfad von Technologien oder als Planung/Ankündigung von neuen Produkten und Produktversionen. In dieser Betrachtung geht es um die Produkt-Roadmaps. Roadmap-Inhalt sind die zukünftigen Fokusthemen der Produktlinien/-versionen und das Zeitraster der zugehörigen Produktverfügbarkeit. Produkt-Roadmaps machen immer Sinn bei Produkten, die einer längerfristigen dynamischen Weiterentwicklung unterliegen und deren Veränderungen Konsequenzen für die Mitarbeiter des Unternehmen und seiner Partner und Kunden haben.
Das folgende Beispiel zeigt die Roadmap des Mikroprozessorhersteller AMD für seine ARM-Prozessoren (Quelle: AMD 05/2014).

Zielgruppen von Roadmaps

Die Produkt-Roadmaps sind Teil der Kommunikation von Produktmanagement und der Unternehmensleitung. So erwartet das Management Informationen über die Weiterentwicklung des Produktportfolios, um die Geschäftsentwicklung und den erforderlichen Handlungsbedarf perspektivisch einschätzen zu können. Demgemäß gehören die Roadmaps zur strategischen Planung und der zeitliche Horizont deckt 1 – 3 Jahre ab. Wenn die Roadmaps durch das Management bestätigt sind, dann bringen sie dem Produktmanager Rückendeckung in der Umsetzung. Den Unternehmensbereichen von Entwicklung, Produktion, Vertrieb und Marketing geben die Roadmaps Hinweise auf die Ressourcen-Planung und die erforderlichen Handlungsvorgaben.

Zielgruppen von Roadmaps sind auch die Partner und Kunden. Besonders wichtig werden die Roadmaps, wenn die Produktveränderungen zu Konsequenzen in der Produktnutzung führen. Im Falle des Prozessor-Beispieles, müssen sich die betroffenen Partner wie Systemhersteller und Softwarehäuser auf die Änderungen vorbereiten. Häufig sind Maßnahmen auf der Seite der Partner notwendig. Die Information ist dann in beiderseitigem Interesse. Für den (End-)Kunden ist es entscheidend zu erfahren, was die Weiterentwicklung für seine bestehende Investition bedeutet oder auch wann er investieren sollte. Die Roadmap beinhaltet für ihn indirekt auch die Aussage, was er eventuell nicht erwarten kann.

Öffentlichkeit und Verbindlichkeit von Roadmaps

Roadmaps sind Pläne oder Absichtserklärungen, mit den Ziel der Erfüllung. Häufig gibt es Diskussionen im Produktmanagement um die Veröffentlichung und Verbindlichkeit der Roadmaps. Betrachtet man die Relevanz der Aussagen für die Partner und Kunden, so ist die Veröffentlichung von Roadmaps wichtig und Teil einer erfolgreichen Kundenbeziehung. Es werden Perspektiven gegeben und Vertrauen geschafft. Dies ist für B2B-Kunden eine Selbstverständlichkeit. Aber auch der Windows 7-Kunde wollte wissen, wann Windows 8 mit welchem Schwerpunkt kommt.
Formal gesehen macht es Sinn die veröffentlichten Roadmaps hinsichtlich der (Nicht-)Verbindlichkeit eindeutig zu kennzeichnen. Im Falle von AMD ist die Anmerkung: „AMD roadmaps are subject to change without notice or obligation to notify of change“. Spielraum für die Verbindlichkeit bieten die Termine.  Termine für eine Produktverfügbarkeit in Form von Quartalsaussagen reichen vollständig aus. Die inhaltlichen Aussagen beschreiben die Themenschwerpunkte und sind keine Funktionslisten. Auch dieses schafft Spielraum. Erwarten einzelne Kunden und Partner mehr Informationen, so empfiehlt sich eine NDA-Vereinbarung (Non-Disclosure Agreement) .

Einige Unternehmen veröffentlichen keine Roadmaps, da sie dem Wettbewerb keine Informationen geben wollen und sie Angst um ihren eventuellen Vorsprung haben. Ich meine, das Interesse der Kunden und Partner geht vor und im Zweifelsfall zählt als Wettbewerbsvorsprung die eigene Umsetzungsstärke und nicht die Absichtserklärung. Als Kompromiss erstellen manche Unternehmen eine interne und eine externe Roadmap mit unterschiedlichen Detaillierungsgrad.

Einzelne Produktmanager veröffentlichen ihre Roadmap auch intern ungerne, da sie Angst haben, dass ihr Vertrieb Roadmap-Produkte verkauft anstatt das verfügbare Portfolio. Dies gilt es durch das (Vertriebs-)Management zu steuern und ist kein Grund einer Nichtveröffentlichung. Nicht zuletzt ist die Entwicklung nicht immer von der Veröffentlichung begeistert, da sie eine Knebelung verspürt und sich in der Machbarkeit eventuell noch nicht sicher fühlt. Die Bedenken sind nachvollziehbar, wenn die Machbarkeit tatsächlich offen ist.

Tools zur Erstellung einer Roadmap

In der MS-Office-Welt bietet MS-Project die geeignete Funktionalität, die auch eine Exportmöglichkeit zu den anderen MS-Produkten beinhaltet. Für Powerpoint gibt es die Erweiterung Office Timeline, die als Einstiegsvariante kostenfrei ist. Auf weitere Lösungen verweist Microsoft. Sollen die Lösungen webbasiert dargestellt werden, z.B. in einem Wiki oder einem Blog, dann werden Tools wie Gliffy interessant. Eine dedizierte SW zur Roadmap-Erstellung ist ProdPad. Wer eine neue praktische und optisch gelungene Lösung testen will, der sollte es mit Roadmunk (kostenfrei / beta) versuchen.

Fazit

Roadmaps gehören zu den zentralen Management-Herausforderungen eines Produktmanagers. Der Nutzen für alle Beteiligten ist klar und der professionelle Umgang kann durch konsequentes Verhalten beherrscht werden.

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