Design Thinking: Innovationen für Anwender im Team

Autor on 19. Januar 2014 in Produktmanagement mit 0 Kommentare

Um erfolgreich zu werden und insbesondere zu bleiben, ist die Schaffung von permanenten Innovationen ein Muss für viele Unternehmen. Es bleibt die Frage nach dem Wie.  Eine der erfolgsversprechenden Methoden ist Design Thinking. Die Vorgehensweise mit Methodenbaukasten wurde an der Stanford University entwickelt und hat bis heute viele Anhänger gewonnen. Für den professionellen und kommerziellen Einsatz sorgte von Beginn an die Innovationsagentur IDEO.
Der wichtigste Erfolgsfaktor dieser Methode ist die konsequente Fokussierung auf die Nutzer- und ihre Anwendung. Der zweite Schlüssel ist das Team. Gearbeitet wird in multidisziplinären Teams, die über ein breites Wissensspektrum mit unterschiedlichen Erfahrungshorizonten verfügen und sich wechselseitig inspirieren. Die eingesetzten Methoden und Tools fördern die Kreativität und treiben einen iterativen Prozess, der zu schnellen Ergebnissen und Prototypen führt, die immer wieder revidiert und optimiert werden. Zu den weiteren Besonderheiten gehören Freiräume für die Teams und dies sowohl hinsichtlich flexibler Räumlichkeiten als auch der atmosphärisch kreativer Rahmenbedingungen.

Geeignet ist Design Thinking für den Entwurf neuer Produkte oder Dienstleitungen sowie Prozesse und deren Optimierung. Das Ergebnis eines Projektes sind Konzepte, die den Kriterien Anwenderfokus, Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit genügen. Die eigentliche Produkt- oder Prozessentwicklung folgt. Eingesetzt wird Design Thinking von Unternehmen wie SAP, IBM, Deutsche Bank, Google, BMW, Audi, E.on oder Deutsche Bahn. SAP hat mittlerweile 4000 Mitarbeiter im Design Thinking ausgebildet.
Die vorstellbaren Projekte können sehr vielseitig sein. Beispiele sind Applikationen aus dem Software-Umfeld, die Gestaltung von Arbeitsplätzen, Designer-Möbel bis hin zu Bestellprozessen (siehe auch IDEO-Projekte).

Die Grundlagen von Design Thinking

Wie jedes Projekt startet Design Thinking mit einer klaren Aufgabenstellung, einem Projektteam, einer Infrastruktur und der Zeitvorgabe. Die Teammitglieder sollten über ein sogenanntes T-Profil verfügen, d.h. ein gutes Breitenwissen sowie ein Fachgebietswissen aus unterschiedlichen Bereichen.
In 6 Schritten läuft dann das Projekt ab:

  1. Verstehen
    Verstehen ist die Einstiegsphase im Projekt. Ziel ist es, alle Teammitgliedern auf den gleichen Kenntnisstand zu bringen. Es heißt, das Problem der Zielgruppe zu erfassen. Wie sieht der heutige Lösungsansatz aus und was sind die Herausforderungen im Projekt.
  2. Beobachten
    Jetzt ist die Aufgabe sich in den Anwender zu versetzen und den Anwender zu verstehen. Wichtig sind Nutzerinterviews und eventuell das eigene Ausprobieren, aber auch Gespräche mit Experten und Stakeholdern. Weitere detaillierte Recherechen runden das Bild ab.
  3. Sichtweise definieren
    Die Masse an Informationen wird nun zusammengeführt, sortiert und bewertet. Das Ergebnis wird in Form der Bedürfnisse eines prototypischen Nutzers dargestellt. Daraus werden die relevanten Fragen für die weitere Bearbeitung vorgegeben. Methodisch helfen Tools wie das Personas-Konzept, Story-Telling, Empathy-Maps und Story-Boards.
  4. Ideen finden
    Genau für die vorgegebenen Fragen werden per Brainstorming oder Team-Gespräche Lösungen erarbeitet. Diese werden insbesondere bildlich dargestellt und bewertet.
  5. Prototypen definieren
    Jetzt wird es handwerklich. Mit einfachen Mitteln wie Skizzen, Papier/Kleber, Legobausteinen oder was aus immer werden zügig Prototypen gebaut. Perfektion ist nicht das Ziel. Der Nutzer erhält ein Gefühl wie das zukünftige Produkt aussehen und funktionierten könnte.
  6. Testen
    Der Test der Prototypen erfolgt unmittelbar mit der Zielgruppe. Die Erkenntnisse werden sofort umgesetzt. Die Iterationen erfolgen immer wieder, bis die Mehrheit der Nutzer von der Idee überzeugt ist.

Der Prozess wird in Schleifen immer wieder durchlaufen, wobei dem Schritt 3, der Synthese, eine entscheidende Bedeutung zukommt.
Zur Projektsteuerung bedarf es eines erfahrenen Coaches. Aufgabe ist Koordination, Motivation, Methodenberatung, Zeitüberwachung und Reflexion im Team.

Der Einstieg in Design Thinking

Die Resonanz von Design Thinking ist riesig. Das Gute für Unternehmen, die einsteigen wollen, ist, es gibt Material und Support an vielen Stellen.
In Deutschland bietet die Hasso Plattner School of Design Thinking Potsdam eine zum Studium begleitende Ausbildung über 2 Semester an. Auch andere Hochschulen wie St. Gallen , HTW Berlin und TUM München sind sehr aktiv und bieten Ausbildungsleistungen an. Unternehmen wie die Deutsche Bank bieten ein Praktikum an. Die genannten Universitäten, aber auch eine Vielzahl an Absolventen der Design Thinking-Lehrgänge bieten ihre Leistung an, um den Prozess im Unternehmen begleitet zu starten.

Es gibt Fachliteratur in der Schnellleservariante (30 Minuten Design Thinking),umfassender (Durch die Decke denken: Design Thinking in der Praxis) und auch von den Gurus Tim Brown (CEO von IDEO)  und Hasso Plattner. Aktuell  bloggt Tim Brown zum Thema und in Hamburg gibt es eine deutsche Community. Weitere Methodentipps gibt es bei der d.scool Stanford.

Gesamteinschätzung

Design Thinking ist eine Vorgehensweise die auf Zielgruppenorientierung, Zusammenarbeit im Team und auf schnelle Prozesse setzt. Schnellere Prozesse ist ein Thema für viele Unternehmen. Langlaufende Projekte am Markt vorbei kann sich kein Unternehmen leisten. Design Thinking gehört zu einer Reihe von zukunftsträchtigen Vorgehensweisen wie die agilen Projekte, Business Modell Canvas, Open Innovation oder die Blue Ocean Strategie. Design Thinking und das Business Model Canvas zur Prüfung des Geschäftsmodelles oder agile Projektmethoden in der Umsetzung ergänzen sich.
Insoweit ist es nicht überraschend, dass SAP Design Thinking als Teil einer Grundeinstellung sieht. Eine Erfolgsgarantie gibt es allerdings auch bei dieser Vorgehensweise nicht.

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