Enterprise 2.0 / Social Media: Wie weit ist ihr Unternehmen?

Autor on 26. Februar 2012 in Enterprise 2.0 / Web 2.0 mit 0 Kommentare

McKinsey analysiert jährlich die Durchdringung der Unternehmen mit Social Media. Die quantitativen Ergebnisse sind ermutigend. Allerdings ist der Umsetzungsgrad doch sehr unterschiedlich. Die meisten Unternehmen befinden sich noch in der Anfangsphase und testen oder nutzen Social Media-Lösungen singulär ohne den Enterprise 2.0 Gedanken des vernetzten, sich selbst organisierenden Unternehmens schon vollumfänglich zu leben. Der Status der Social Media-Umsetzung ist geprägt durch die organisatorische und technische Realität. Um die richtigen Ziele, Maßnahmen und erforderlichen Ressourcen für die effiziente Weiterentwicklung von Enterprise 2.0 und Social Media zu fixieren, hat Frank Schönefeld das folgende Reifegradmodell entwickelt:

Stufe 1Das soziale Technologien einsetzende Unternehmen Piloteinsätze sozialer Software
Stufe 2Das soziale Technologien integrierende Unternehmen Transformation der Zusammenarbeit
Stufe 3Das partizipierende Unternehmen Anpassung des gesamten Unternehmens
Stufe 4Das sich öffnende UnternehmenInnovation als Wertschöpfung von Geschäftsmodellen
Stufe 5Das vernetzte Unternehmen in einer vernetzen Gesellschaftkundenzentrierte Wachstumsgestaltung

Der Weg zu den Social Media-Piloteinsätzen z.B. mit einem Wiki

Der Ansatz ist meist abteilungsspezifisch. Ausgangspunkt ist zum Beispiel der Frust im Produktmanagement oder Support-Center bei jedem neuen Produkt, jede Frage 10-mal beantworten zu müssen, über keine systematische Wettbewerbsbeobachtung zu verfügen oder für einen Business Case die Quellen permanent neu zu recherchieren und dies bei unterschiedlichen Quellen der einzelnen Kollegen. Relevante Anwendungen für Social Media gibt es genug und man beginnt mit dem Social Media-Einsatz dort, wo der Nutzen am größten ist.
Keimzellen sind meist einzelne Mitarbeiter, die privat häufig schon weiter sind als ihr Unternehmen und Blogs oder Wikis privat nutzen bzw. betreiben. Startpunkt kann ebenfalls der Leiter Marketing/Produktmanagement sein, der mit seinen knappen Ressourcen mehr erreichen will. In jedem Unternehmen, das ich gesehen habe, gab es im Produktmanagement oder Marketing leuchtende Augen bei der Diskussion über einen Wiki-Einsatz dieser Art. Es gilt die IT-Abteilung mitzunehmen, auch in dem man klar seine Ziele adressieren kann. Technische Probleme gibt es nicht wirklich und auch ein übergeordnetes Management ist nicht in der Pflicht. Das Motto ist „Just do it“.

Von den Piloteinsätzen zur Transformation

Für die Unternehmen, die die Pilotphase abgeschlossen haben und eine Abteilungslösung produktiv betreiben, folgt nun die nächste Stufe – es geht um die Transformation der Zusammenarbeit. Das Wiki soll abteilungsübergreifend genutzt und mit Informationen versorgt werden. Jetzt wird die Unternehmenskultur und das Management relevanter. Die abteilungsübergreifende Arbeit muss gewollt und gefördert sein, denn gegen ein Management mit einem engen funktionalen Organisationsverständnis läuft wenig. Die Lösung hat z.B. das Ziel den Vertrieb und das Produktmanagement mit relevanten Informationen zu versorgen. Sie lebt also vom Input aller Beteiligter, um den Informationsweg vom und zum Kunden erfolgsversprechend zu nutzen. Meist sind mehrere Unternehmenseinheiten, Standorte und/oder Regionen betroffen. Microblogs in Entwicklungs- und Markteinführungsprojekten können die Prozesse deutlich beschleunigen.
Zur Umsetzung ist eine Projektstruktur unabdingbar, die organisatorisch und technisch die Einführung absichert. Das Management ist gefordert, das Projekt aktiv zu begleiten. Technische Lösungen sind Wikis, Microblogs oder Blogs. Auch technische Aspekte wie Single Sign-on, Zugang zum Content Management System wie Microsoft Sharepoint, Anbindung des Intranets, Zugang zu Datenservern sind zu beachten und bedürfen einer genaueren Analyse.

Von der Transformation zum partizipierendem Unternehmen

In dieser Phase ist das Ziel Social Media unternehmensweit zu nutzen, inklusive der Anpassung der Prozesse im Unternehmen. Der Einkaufsvertrag mit dem Partner wird nur einmal abgelegt und steht allen Fachabteilungen zur Verfügung. Die Erstellung und Freigabeprozesse der Produktdokumentation vom Lastenheft bis zur Bedienungsanleitung wird unternehmensweit synchronisiert. Die Abläufe werden effizienter und schneller. Auch für allgemeine Themen wie Mitteilungen der Personalabteilung oder der Speiseplan der Kantine werden Social Media-Lösungen eingesetzt. Die Prozesse müssen durchdacht sein, die IT-Architektur muss passen und das Top-Management das Thema treiben. Das Unternehmen Synaxon ist ein gutes Beispiel für ein Unternehmen in dieser Stufe. Das Bloggen des Managements verstärkt die Transparenz und beschleunigt den Informationsfluss. Schließlich lebt das Unternehmen Enterprise 2.0.

Vom partizipierendem Unternehmen zum sich im Markt öffnendem und vernetztem Unternehmen

Die Krönung ist die offene Vernetzung des Unternehmens mit seinen Kunden, Partnern und anderen Akteuren im Markt. Es geht um Open Innovation und Crowdsourcing. Ein Beispiel für die Entwicklungspartnerschaft vieler Unternehmen ist Streetscooter. Dell bindet seine Kunden mit der Plattform Ideastorm aktiv in Ideenfindung und Entscheidung ein. Zur Zeit denkt IBM über eine Crowdsourcing-Projekt zur stärkeren, externen Bereitstellung der geschäftlichen Ressourcen nach. Die technische Infrastruktur will durchdacht sein und Standard Open Source Ansätze helfen nur noch begrenzt. Jetzt kommen eher Jive/ IBM-Lösungen oder spezifische Plattformen zum Einsatz, die allerdings auch deutlich aufwendiger sind.

Zurück zur Eingangsfrage – Wie weit ist ihr Unternehmen?
Mit dieser Frage schließe ich mich Alexander Stocker an, der mit einem ähnlichen Artikel um Meldungen fortgeschrittener Social Media-Unternehmen für die Plattform Enterprise 2.0-Fallstudien wirbt.

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